Weißt Du, ich bin immer sehr zurückhaltend, wenn es um kulturelle Aneignung geht, also, wenn wir uns etwas zu eigen machen, das wir nicht erfunden haben, das nicht uns gehört, über das jemand anderes (meist jemand schwächeres) die Hoheit haben sollte. Das gilt für Siddi-Quilts, für Molas, und auch für die Seminolen-Technik. Vor allem, wenn die eigentlichen Eigentümerinnen dieses Wissen oder dieser Fertigkeit damit ihr Einkommen bestreiten. Warum ich es trotzdem anbiete? Weil ich hoffe, dass wir so die Möglichkeit haben, diese wunderbaren Techniken, Farben, Herangehensweisen kennenzulernen und auszuprobieren. Und ich glaube, dass durch die Gemeinsamkeiten und Bewunderung auch Respekt und Wertschätzung für ferne Kulturen entsteht. Vielleicht beeinflusst es mein Umweltbewusstsein, wenn ich weiß, dass die ersten Inseln, die von den Mola-zaubernden Mitgliedern des Kuna-Stammes vor Panama bewohnt werden, mittlerweile umgesiedelt werden, weil der Meeresspiegel so ansteigt, dass die Inseln untergehen.

Kleiner Ausflug
Ja, hier muss Raum für ein bisschen Gesellschaftskritik sein. Denn auch die faszinierende Technik, die wir in diesem Workshop lernen, kommt von einem indigenen Volksstamm, der sehr viel Elend erleben musste und damit noch heute zu kämpfen hat. Was die Menschen der ‘first nation’ erleben und ertragen mussten, füllt Bände. Aber Du fragst Dich sicher, warum hier alles voller Gitarren ist, stimmt’s?
Die Stämme wurden in Reservate gepfercht, selten an ihre Heimatort, und konnten dort nicht ihrem gewohnten Leben nachgehen. Armut und Verzweiflung sind die Lebensrealität. Allerdings haben einige Stammesoberhäupter eine Gesetzeslücke gefunden: Glücksspiel war und in allen Bundesstaaten – bis auf Nevada und Louisiana – verboten. Allerdings sind die Reservate diesbezüglich ein rechtsfreier Raum, und so eröffneten viele Stämme Spielkasinos, seit dem 1988 eingeführten „Indian Gaming Regulatory Act“ sogar absolut legal. Das Besondere: Sie müssen die Einnahmen nicht versteuern, so dass das Geld unmittelbar in die Kassen der Reservate fließen kann, es wird entweder Pro-Kopf auf die Stammesmitglieder umgelegt oder zum Bau von Krankenhäusern, Schulen, Straßen etc. genutzt.
Den Seminolen, denen wir diese Quilt-Technik verdanken, gehören die Hard-Rock-Cafés! Sie haben die Kette 2006 für fast eine Milliarde Dollar gekauft. Wer hat’s gewusst?
Und warum sagt man nicht mehr “Indianer”? Weil sich Zeiten ändern. Und wir lernfähige Wesen sind. Wir wissen, dass Kolumbus nicht in Indien gelandet ist. Zwar sind unsere Klischees, die bei uns besonders extrem positiv von Winnetou und Yakari geprägt sind (was die Indigenen tatsächlich lobend erwähnen, wenn man erzählt, dass man aus Deutschland kommt!), aber es sind eben immer noch Klischees. Indigene Amerikaner reiten nicht mit Kopfschmuck durch die Prärie, sie haben ein Vorstellungen vom Leben wie Du und ich. Stereotypen sind so alt und überkommen wie der Kolonialismus, der sie geprägt hat, also lass uns beides abschaffen. Also: Indigene ist gut, Native Amerikas oder First Nations.
So, genug Gutmenschentum, jetzt geht es an den Spaß!

Und Spaß gibt es hier ganz sicher: Andrea Brosig zeigt Euch, wie man ohne Hirnverrenkungen diese wunderschönen Muster aus Streifen nähen kann. Sieh Dir das an:

Warum Andrea? Weil sie ihre Lehrprobe für ihre Zertifizierung zur Kursleiterin der deutschen Patchworkgilde zu keinem anderen Thema als “Seminole-Patchwork” gemacht hat. Tadaa. Was mich ganz, ganz besonders freut: In diesem Workshop lernst Du nicht nur die Technik, sondern wirklich auch eine Menge über die Hintergründe, über die Herkunft und Geschichte der Muster!

Was zum Schluss faszinierend und komplex aussieht, ist mit der richtigen Anleitung ganz einfach machbar. So bekommst Du verschiedene Muster für Bordüren, Hingucker, ganze (Wand-) Quilts… oder was Dir noch einfällt, zum Beispiel kannst Du Dein Werk gleich zu so einer schönen Nähutensilientasche verarbeiten:
oder so:

Informationen über das Was und Wie und Wo kommen in der Bald-Geht’s-Los-Email circa zwei Wochen vor dem Workshoptermin.
Die nächsten Termine findest Du hier unten. Schreib’ mir, falls Du Fragen, Terminwünsche oder Anregungen hast.
! ! Zum Anmelden: Unter ‘Anzahl’ ist eine kleine Box mit Pfeilen, hier musst Du mindestens ‘1’ einstellen, sonst geht es nicht weiter.
Und dann gibt es da das winzigkleine Kästchen unter den persönlichen Daten (für AGB und Datenschutz), das Du auch anklicken musst, um Dich anzumelden. Wenn es nicht klappt, schick mir einfach eine Email :o)!!
-
Seminole-Patchwork
27. September 2025
10:00 - 17:00
Venue: almatela
Venue Phone: 0172-6065400
Address:
Description:
Mitten in Refrath, unmittelbar an der Kölner Stadtgrenze, 350 Meter von der Straßenbahnlinie 1 und 3 Minuten von der A 4 entfernt, liegt die kleine kreative Oase ‘almatela’. Schau Dich um, komm auf einen Kaffee vorbei, buche gleich einen Workshop – Du bist willkommen.
Das almatela ist ein Ort des wertschätzenden, freundlichen Miteinanders, in dem jedeR von Herzen willkommen ist. Hier darf man hemmungslos kreativ sein, mit Stoff spielen, Ideen haben und verwerfen, ohne dass jemand die Augenbraue hochzieht. Hier darfst Du sein und Dich austoben. Ich freue mich auf Dich!
Der Kursraum ist ein ewig langer Schlauch, aber stolze 48 qm groß. Da kommen die 120 x 60 cm großen Tische mit den bequemen und vor allem: höhenverstellbaren Stühlen ganz gut unter. Wir haben zehn Arbeitsplätze, eine große und hohe Schneidestation und je nach Bedarf mehrere Bügelstationen.









